16 zeitlose Tipps für wertschätzende Kommunikation im Alltag
Wertschätzende Kommunikation ist eines dieser Themen, bei denen fast alle nicken und trotzdem erleben wir sie im Alltag erstaunlich selten. In Meetings reden Menschen aneinander vorbei, in privaten Gesprächen hören wir nur halb zu, und selbst gut gemeinte Aussagen kommen beim Gegenüber nicht so an, wie wir es beabsichtigt haben.
Ich erlebe in Trainings, Coachings und im eigenen Alltag immer wieder, dass Kommunikation weniger an fehlenden Worten scheitert als an fehlender Haltung. Wertschätzende Kommunikation ist keine Technik, die man einmal lernt und dann abhakt. Sie ist eine bewusste Entscheidung. Und das jeden Tag, in jeder Begegnung.
In diesem Beitrag teile ich 16 zeitlose Tipps, die mir selbst helfen und die ich regelmäßig weitergebe. Jeder einzelne Punkt wirkt bereits für sich. Wer mehrere davon lebt, verändert nachhaltig Beziehungen, Zusammenarbeit und Atmosphäre.
1. Pünktlich sein
Pünktlichkeit ist eine der unterschätztesten Formen von wertschätzender Kommunikation. Wer pünktlich ist, sagt ohne Worte: Deine Zeit ist mir wichtig. Wer zu spät kommt, sendet die gegenteilige Botschaft. Das ist in den meisten Fällen nicht die Absicht, aber trotzdem die Konsequenz.
Einige Menschen bräuchten ungefähr so viele Uhren, um wertschätzende Kommunikation zu verinnerlichen
Gerade im beruflichen Kontext wird Pünktlichkeit häufig relativiert. Ein Meeting beginnt später, weil „noch jemand fehlt“. Doch für alle Anwesenden entsteht dadurch ein Ungleichgewicht. Wertschätzende Kommunikation zeigt sich hier ganz konkret: Ich nehme Vereinbarungen ernst und halte mich daran. Das schätzen wir an unseren Mitmenschen.
2. Ehrlich lächeln
Ein echtes Lächeln öffnet Räume. Es signalisiert Wohlwollen, Interesse und Zugewandtheit. Wertschätzende Kommunikation beginnt oft nonverbal. Also lange bevor wir anfangen zu sprechen.
Dabei geht es nicht um ein aufgesetztes Dauerlächeln, sondern um Authentizität. Menschen spüren sehr genau, ob ein Lächeln ehrlich ist. Ein echtes Lächeln entsteht aus innerer Haltung, nicht aus Technik. Und über unsere Körpersprache zeigen wir es unseren Mitmenschen.
3. Interessiert fragen
Fragen sind ein zentrales Element wertschätzender Kommunikation. Und das sage ich nicht nur, weil ich Moderator bin :-). Dabei gilt: Nicht jede Frage ist automatisch wertschätzend. Entscheidend sind die Intention dahinter und die genaue Formulierung beziehungsweise der Rahmen.
Interessierte Fragen zeigen echtes Interesse am Gegenüber. Sie laden ein, Gedanken zu teilen, statt sich rechtfertigen zu müssen. Wer fragt, statt zu urteilen, öffnet Dialoge. Und genau das ist der Kern guter Kommunikation.
4. Danke und bitte sagen
Diese Worte wirken banal, sind aber enorm kraftvoll. „Danke“ und „bitte“ erinnern uns daran, dass nichts selbstverständlich ist.
Wertschätzende Kommunikation bedeutet, Leistungen, Zeit und Engagement bewusst anzuerkennen. Gerade im Alltag vergessen wir das schnell. Vor allem gegenüber Menschen, die „immer funktionieren“. Doch genau dort entfalten diese Worte ihre größte Wirkung. Ich bedanke mich im Alltag auch für Kleinigkeiten und bin davon überzeugt, dass das eine gesunde Beziehung fördert.
5. Ich-Botschaften senden
Ich-Botschaften sind ein Klassiker und trotzdem werden sie oft falsch oder gar nicht genutzt. Statt Vorwürfe zu formulieren, beschreiben Ich-Botschaften eigene Wahrnehmungen und Gefühle. Das ist übrigens ein Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation.
Wertschätzende Kommunikation vermeidet Schuldzuweisungen. Sie schafft Klarheit, ohne anzugreifen. Das macht Gespräche nicht immer einfacher, aber deutlich ehrlicher.
6. Eigene Emotionen zeigen
Gefühle gehören zur Kommunikation dazu. Wer sie komplett ausblendet, wirkt distanziert oder unnahbar. Das gilt übrigens auch für Lampenfieber.
Bei dieser Moderation hat das Publikum mich zum Lachen gebracht - das zu zeigen ist auch wertschätzende Kommunikation
Wertschätzende Kommunikation erlaubt Emotionen bewusst und reflektiert. Das bedeutet nicht, ungefiltert alles herauszulassen. Es bedeutet, Gefühle zu benennen, statt sie zu verstecken. Das schafft Nähe und Vertrauen.
7. Verbindlich kommunizieren
Unverbindlichkeit ist einer der größten Beziehungskiller. Aussagen wie „Ich melde mich“ oder „Wir schauen mal“ schaffen Unsicherheit.
Wertschätzende Kommunikation ist klar und verbindlich. Sie gibt Orientierung und Verlässlichkeit. Menschen wissen, woran sie sind und das reduziert Missverständnisse erheblich.
8. Menschen ausreden lassen
Unterbrechen signalisiert: Was ich zu sagen habe, ist wichtiger als das, was du gerade sagst.
Wertschätzende Kommunikation braucht Geduld. Menschen ausreden zu lassen bedeutet, ihnen Raum zu geben. Auch dann, wenn wir glauben, den Gedanken schon zu kennen. Oft steckt die eigentliche Botschaft erst am Ende.
9. Nicht alles persönlich nehmen
Nicht jede Aussage ist ein Angriff. Nicht jede Reaktion hat mit uns zu tun. Wer alles persönlich nimmt, verschließt sich schnell. Insbesondere im Job hat Kritik meistens mit der Rolle, die wir einnehmen, zu tun. Und nicht mit uns als Person. Das zu trennen, ist aber schwieriger als wir denken.
In Diskussionsrunden muss man nicht immer einer Meinung sein - aber sollte trotzdem wertschätzend kommunizieren
Wertschätzende Kommunikation setzt emotionale Stabilität voraus. Sie erlaubt Abstand zwischen Aussage und eigener Bewertung. Das schützt Beziehungen und die eigene Energie.
10. Offen für andere Meinungen sein
Unterschiedliche Meinungen sind kein Problem. Der Umgang damit entscheidet.
Wertschätzende Kommunikation bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein. Sie bedeutet, andere Perspektiven ernst zu nehmen, selbst wenn wir sie nicht teilen. Das erweitert den eigenen Horizont und stärkt den Dialog.
11. Sich ernst gemeint entschuldigen
Eine echte Entschuldigung ist mehr als ein „Sorry“. Sie übernimmt Verantwortung und erkennt die Wirkung des eigenen Handelns an.
Wertschätzende Kommunikation zeigt sich besonders dann, wenn etwas schiefgelaufen ist. Eine aufrichtige Entschuldigung kann mehr Vertrauen schaffen als viele richtige Worte davor.
12. Bedürfnisse erfragen und verstehen
Oft kommunizieren wir über Positionen, obwohl es eigentlich um Bedürfnisse geht. Wertschätzende Kommunikation fragt nach dem „Warum“ hinter dem Verhalten.
Wer Bedürfnisse versteht, kann Lösungen finden, die für alle tragfähig sind. Das erfordert Offenheit, Neugier und die Bereitschaft zuzuhören.
13. Menschen fragen, wie es ihnen geht
Diese Frage wirkt einfach, wird aber häufig routiniert gestellt. Wertschätzende Kommunikation meint sie ernst. Sie interessiert sich für die Antwort und schafft den Raum dafür.
Wer fragt, sollte auch bereit sein zuzuhören. Manchmal braucht es keinen Rat, sondern nur Aufmerksamkeit. Allein das kann einen großen Unterschied machen.
14. Positive Grundhaltung an den Tag legen
Eine positive Grundhaltung bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren. Sie bedeutet, lösungsorientiert zu denken und Menschen grundsätzlich wohlwollend zu begegnen.
Bei diesem Podcast-Interview habe ich eine positive Grundhaltung
Wertschätzende Kommunikation entsteht leichter, wenn wir das Gute im Gegenüber sehen. Selbst in schwierigen Situationen.
15. Bedingungslose Aufmerksamkeit schenken
Multitasking ist der Feind echter Kommunikation. Ein Blick aufs Handy, ein halbes Ohr im Gespräch: All das sendet klare Signale.
Wertschätzende Kommunikation heißt: Ich bin jetzt hier. Mit Dir. Volle Aufmerksamkeit ist eines der wertvollsten Geschenke, die wir machen können.
16. Zuhören, um zu verstehen und nicht, um zu antworten
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt von allen. Viele hören zu, um ihre nächste Antwort vorzubereiten. Wertschätzende Kommunikation hört zu, um zu verstehen.
Das erfordert Geduld, Offenheit und die Bereitschaft, eigene Annahmen zurückzustellen. Doch genau hier entstehen echte Begegnungen. Mehr darüber erfährst Du in meinem Beitrag über zwischenmenschliche Kommunikation.
Fazit: Wertschätzende Kommunikation ist eine tägliche Entscheidung
Wertschätzende Kommunikation ist keine Checkliste, die man einmal abarbeitet. Sie ist eine Haltung, die sich in vielen kleinen Momenten zeigt. Ein Blick, ein Wort, ein Zuhören, ein Innehalten.
Einen dieser Punkte zu beherzigen, macht bereits einen Unterschied. Zwei oder drei verändern Gespräche spürbar. Alles zu berücksichtigen, ist Champions League (der Sportvergleich musste sein).
Ich erlebe immer wieder: Menschen erinnern sich weniger an das, was gesagt wurde, sondern daran, wie sie sich gefühlt haben. Genau dort setzt Wertschätzende Kommunikation an.
Wenn wir anfangen, bewusster zuzuhören, klarer zu sprechen und wohlwollender zu handeln, verändern wir nicht nur unsere Gespräche, sondern unsere Beziehungen. Deshalb ist eine wertschätzende Kommunikation auch als Führungskraft unabdingbar.
Und sie ist einfacher zu erreichen, als viele denken.

